Interview mit Tobias Gerbracht – Mitglied der Mannschaft der Physik WM

Das Interview führte M. Winkhaus, Fotos von C. Wissemann-Hartmann

 

CFG: In den Osterferien haben nun gleich zwei Wettbewerbe stattgefunden – zunächst das GYPT (German Young Physicists’ Tournament) und zwei Wochen später der Auswahl-Wettbewerb der 10 GYPT-Gewinner in Ulm, bei dem du es schließlich in die fünfköpfige Physik-Nationalmannschaft geschafft hast. Hast du überhaupt erholsame Osterferien gehabt?

Tobias: Meine Ferien waren alles andere als entspannt. Ich habe mich nämlich intensiv mit dem für mich neuen physikalischen Problem “Chocolate hysteresis” beschäftigt, weil jeder Teilnehmer in Ulm einen neuen englischsprachigen Vortrag präsentieren sollte. Aber ich war andererseits froh, zwei Wochen Zeit nur für meine Forschung zu haben, was sich ja letztendlich ausgezahlt hat.

CFG: Wozu gibt es eigentlich eine deutsche Physik-Nationalmannschaft? Nimmst du jetzt in diesem Team an einer Physik-Weltmeisterschaft teil?

Tobias: Die Physik-Nationalmannschaft repräsentiert Deutschland beim IYPT (International Young Physicists´Tournament), also tatsächlich der Physik-Weltmeisterschaft. Dieses Jahr findet sie vom 3.-10. Juli in Shrewsbury / England statt, 30 Nationen von verschiedenen Kontinenten nehmen teil. Es sind im Vorfeld 17 offene physikalische Probleme benannt worden, die sich jedes Teilnehmerland erarbeiten muss, um dann in sogenannten “physic fights” gegeneinander anzutreten. Auf der Homepage www.iypt.org findet man detaillierte Informationen dazu und einen sehr interessanten Trailer.

CFG: Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, dich für diesen Wettbewerb zu melden und daran teilzunehmen?

Tobias: Mein Physiklehrer Herr Winkhaus hat mich auf diesen Wettbewerb GYPT aufmerksam gemacht und mich auf meinen Wunsch hin dort auch angemeldet. Technik und Physik waren schon immer meine Lieblingsfächer, außerdem trage ich gerne Präsentationen vor und freue mich jetzt sehr auf die Gelegenheit, dieses vor internationalem Publikum zu tun bzw. Deutschland repräsentieren zu dürfen!

CFG: Im Vorfeld des IYPT wurden 17 spannende Physik-Probleme veröffentlicht. Mit welchen Problemen hast du dich intensiv beschäftigt?

Tobias: Für das GYPT habe ich einen sogenannten “Report” zum Thema “Water bombs” erstellt und mich als “Opponent” (Gegner) mit “Magnetic Brakes” beschäftigt. Für Ulm habe ich wie gesagt das Thema “Chocolate Hysteresis” gewählt, das ich zur Zeit noch erforsche, was neben der Schule aber schwierig (weil sehr zeitaufwändig) ist. Für das IYPT muss ich mich noch mit mehreren anderen Themen befassen.

CFG: Kannst du kurz zusammenfassen, zu welchen Ergebnissen du bei deinen Wasserbomben-Experimenten gekommen bist und was du bisher schon zum Problem der Schokoladen-Hysterese herausgefunden hast?

Tobias: Ich möchte darüber noch keine genaueren Informationen geben, denn mit unseren Ergebnissen kämpfen wir in England ja in den “physic fights” um Jury-Punkte… Je mehr Unerwartetes und Neues in den Vorträgen steckt, desto mehr kann man einerseits die Jury beeindrucken und desto schwerer macht man es den gegnerischen Teams, die den “Reporter” als “Opponent” angreifen müssen. Es geht nicht lediglich darum, ein Referat über bereits Erforschtes zu halten, sondern man soll neue Beiträge finden, z.B. neue Experimente zu dem jeweiligen Thema zeigen, die man so im Internet noch nicht findet. Die Präsentation soll optisch ansprechend und unterhaltsam sein, aber gleichzeitig die physikalische Theorie dahinter gut rüberbringen. Ich habe mit meinen bisher zwei Haupt-Themen sehr praxisnahe Probleme gewählt, in denen trotzdem viel Physik steckt, was man auf den ersten Blick gar nicht vermutet.

CFG: Eine besondere Schwierigkeit dieses Wettbewerbs besteht ja darin, dass du deine Präsentationen komplett in Englisch halten musst. Wie hast du diese Hürde gemeistert?

Tobias: Ich gebe offen zu, dass ich kein Englisch-Genie bin, aber mich im physikalischen Bereich ganz gut ausdrücken kann. Und wenn ich mich mit einem Thema länger auseinander setze bzw. mir dabei passendes Vokabular aneigne, ist es eigentlich kein Problem. Schließlich ist Englisch nur die Kommunikationssprache, die die Verständigung ermöglicht. Es gibt genug andere Teams, deren Muttersprache ebenfalls nicht englisch ist. Und es kommt letztendlich auf den physikalischen Inhalt an, nicht auf die hundertprozentige Grammatik.

CFG: Die Nationalmannschaft besteht aus fünf Teilnehmern. Erzähl doch mal, wer die anderen vier sind, woher sie kommen und wie sie zum Wettbewerb gekommen sind.

Tobias: Es gibt verschiedene deutsche Standorte, an denen Schüler im Vorfeld der deutschen Physik-Meisterschaft forschen konnten. Der Austragungsort des GYPT war z.B. das Schülerforschungszentrum Kassel, für NRW ist die Junioruni zuständig, in Ulm trafen wir uns im Schülerforschungszentrum Süd Württemberg. Meine Teamkollegen sind auf dem Foto namentlich benannt, sie kommen aus Weiden, Langen, Borken und Spalt. Anselm aus Kassel wird einspringen, wenn jemand krank wird und begleitet uns auf jeden Fall. Im Nationalteam bin ich also der einzige Schüler aus NRW – daher muss ich jetzt für weitere Treffen auch immer recht weit reisen.

CFG: Werdet ihr zur Vorbereitung auf die WM genauso wie die Fußballer ein Trainingslager haben? Weißt du schon, mit welchen zusätzlichen Problemen du dich für die WM noch genauer beschäftigen wirst?

Tobias: Geplant ist eine intensive, gemeinsame vierwöchige Arbeitsphase im Schülerforschungszentrum Ulm. Vom 16.-18. Mai treffen wir uns aber erst mal wieder in Kassel. Dann sehen wir, wie weit jeder mit seiner Forschung gekommen ist und werden die verbleibenden Themen aufteilen bzw. im späteren Trainingslager zusammen bearbeiten. Wenn wir keinen Schulstress haben, können wir uns ganz intensiv nur den physikalischen Problemen widmen, was laut den früheren IYPT-Teilnehmern sehr produktiv sein soll. So können wir dann gut vorbereitet zusammen nach England aufbrechen!

CFG: Wir wünschen dir für die bevorstehende Physik-WM alles Gute und viel Erfolg – das CFG wird dir die Daumen drücken. Zum Schluss: Was ist dein Tipp für die Fußball- und Physik-WM? Wer wird Weltmeister?

Tobias: Fußball: Deutschland; IYPT: Deutschland – denn wir werden alle unser Bestes geben!